Martina Schwanke
Abstract Art Potsdam

Material und Transformation
Menschen betrachte ich als Wesen, die ihre Geschichte stets in sich tragen. Da jede Form der heute so verbreiteten Selbstoptimierung die Unausweichlichkeit der eigenen, untrennbar mit dem Individuum verwachsenen Geschichte letztendlich nur oberflächlich zu maskieren vermag, begreife ich die Identität als ein Gefüge, in dem auch äußere Korrekturen das Fortbestehen der individuellen Historie als festes, immanentes Element niemals gänzlich zu negieren vermögen. Meine Werke verstehen sich daher als eine Bewegung nach innen, wobei sie eine Sogwirkung aus jenen Tiefen beziehen, die sich den Betrachtenden als sichtbare Korrosion auf der materiellen Bildebene manifestieren und so den steten Prozess der Transformation physisch erfahrbar machen.
Autonomie der Materie
Wenn ich an einer Struktur zu arbeite, folge ich keinem festen Plan, sondern vertraue auf einen Prozess, der rein intuitiv voranschreitet, indem ich verschiedene Materialien wie Metall, Mineralien, pflanzliche Stoffe einsetze, deren Eigendynamik während der Trocknungsphase natürliche Risse hervorbringt, die fortan die konstitutive Basis für meine weitere künstlerische Auseinandersetzung bilden. In den sich anschließenden Phasen entstehen durch das sukzessive Übereinanderlegen von Acrylfarben, Kreiden, Pigmenten, Tuschen etc. komplexe Farbmischungen, deren Tiefe und Leuchtkraft jedes Kunstwerk zu einem unwiederholbaren Unikat machen, das sich in seiner materiellen Dichte jeder Form der Reproduzierbarkeit entzieht.
Zeit als immanente Komponente
Getragen von einem fast meditativen Flow, in dem Umgebung und Zeit verschwimmen, entspringen meine Arbeiten teils der Unmittelbarkeit des Augenblicks, teils reifen sie über Monate hinweg, bis sie eine kraftvolle Oberflächenbeschaffenheit erreichen. Durch diese aufwendige Technik erschaffe ich Texturen, die natürlichen Alterungsprozessen gleichen und die eine zeitliche Dimension konservieren, für deren Entstehung in der freien Natur unermessliche Zeitspannen vonnöten wären.

Härte fordert Werkzeug
Für meine zerklüfteten Texturen brauche ich präzise, fein reagierende Werkzeuge. Die Härte des Materials erfordert robuste Beitel und spezifische Elektrogeräte.

Nordic
Landscape IV
Acryl, Kreide, Tinte, Mineralien, Glasfaser

Time Relics IV
Acryl, verschiedenen Tinten, Mineralien

Inspired Connections
Acryl, Kreide, Pigment, Tinte, Kaffee, Asche, Mineralien

Nordic
Landscape III
Acryl, Mineralien