Martina Schwanke
Abstract Art Potsdam

Sinnliche Wahrnehmung in der Malerei
Zum Gemälde "Rapeseed Fields by the Baltic Sea"
Erinnerung
Als Kind genoss ich eine Freiheit, die heute kaum noch vorstellbar ist. Die Schule endete mittags, die Nachmittage waren nicht per Terminkalender von unseren Eltern durchgetaktet, das Fernsehen war streng limitiert. So blieb viel Zeit, sich spontan zum Spielen zu treffen.
Ein besonderer Reiz lag im verbotenen Durchstreifen der hohen Rapsfelder. Dort konnte ich als Grundschulkind auch mal die Orientierung verlieren und zugleich ein Gefühl von Freiheit und Abenteuer gewinnen. Zudem kündigten diese Felder im kühlen Norden den herannahenden Sommer an, indem ihr Blühen Wärme versprach.
Beim Betrachten des Gemäldes kehren all diese Erinnerungen zurück: Ich meine den schweren Duft des Rapses zu spüren und die sich erwärmende Luft mit dem Salzgeruch zu atmen, den der Wind sanft durch die Landschaft trägt.
Wahrnehmung beim Malen
In der abstrakten Malerei suche ich nach einer Übersetzung für solch sensorische Wahrnehmungen, da die Abbildung einer Landschaft nicht mein Ziel ist. Mich interessiert vielmehr, ob sich etwas von der physischen Erfahrung in Malerei überführen lässt. Wer vor dem Bild steht, soll den eigentümlichen schweren Duft des Rapses und die salzige Luft beinahe physisch mitempfinden können.
Diese emotionale Information bildet den Kern meiner Arbeit.
Das Bild im Raum
Auch in einem Wohnraum behält das Rapsgelb etwas von dieser Erfahrung. Es trägt die Helligkeit der Felder und die Erwartung des herannahenden Sommers in eine andere Umgebung. Dabei bleibt das Bild gegenwärtig, ohne den Raum zu beherrschen.
Vielleicht liegt darin etwas von dem, was mich bis heute an den Rapsfeldern berührt: die Erinnerung an Wärme, noch bevor der Sommer begonnen hat.