Martina Schwanke
Abstract Art Potsdam

Kunstpostkarten -
das kleine Format
Die Postkarte als altmodische Geste
Wann haben Sie zuletzt eine Postkarte geschrieben? Nicht aus dem Urlaub oder aus Pflichtgefühl, sondern weil Ihnen dabei ein besonderer Mensch in den Sinn kam.
Digital erreichen wir einander in Sekunden. Eine Nachricht ist schnell geschrieben, ein Bild rasch verschickt. Das ist praktisch. Niemand denkt mehr darüber nach. Zugleich hat etwas Seltenheitswert bekommen, was früher zum Schreiben gehörte: sich einen Augenblick hinzusetzen und an einen einzigen Menschen zu denken.
Meine Kunstpostkarten zeigen Motive meiner Gemälde. Sie übertragen ein Bild in ein kleineres Format, doch ihr eigentlicher Reiz beginnt dort, wo die Reproduktion endet: auf der Rückseite.
Papier statt Pixel
Ein Bild auf dem Smartphone besitzt weder Gewicht noch eine besondere Oberfläche. Wir sehen es und mit der nächsten Bewegung ist es verschwunden.
Die Postkarte bleibt. Wir nehmen sie in die Hand, spüren den Karton, fahren vielleicht mit den Fingern über die Oberfläche und drehen sie um. Die Postkarte besitzt Gewicht, einen Rand, Vorder- und Rückseite. Vor allem lässt sie sich beschreiben. Dabei hinterlässt die Handschrift eine Spur: Eine schiefe Zeile, eine Korrektur oder der knapp werdende Platz am Ende gehören zu dem Menschen, der geschrieben hat. Diese Spur zeigt etwas, das sich digital kaum übermitteln lässt: Jemand hat sich hingesetzt und geschrieben.
Kunst auf Reisen
Ein Gemälde hängt zumeist an einem sorgfältig ausgewählten Platz; eine Postkarte hingegen reist. Sie wird in eine Tasche gesteckt, in einen Briefkasten geworfen, geht durch viele Hände und kommt an. Vielleicht liegt sie eines Morgens zwischen Rechnungen und Werbung im Postkasten. Dort taucht plötzlich ein gemaltes Motiv auf, mit dem niemand gerechnet hat.
Später steht die Karte möglicherweise auf einem Schreibtisch, lehnt am Spiegel oder klemmt unter einem Magneten an der Kühlschranktür. So wird das Motiv Teil einer neuen Geschichte und eines anderen Alltags. Das gefällt mir an diesem kleinen Format.
Die Rückseite gehört Ihnen
Auf der Vorderseite befindet sich eines meiner Bilder. Was Sie auf die Rückseite schreiben, gehört allein Ihnen. Möglicherweise sind es nur drei Worte, die Erinnerung an einen gemeinsamen Nachmittag oder ein Satz, den Sie schon länger sagen wollten. Vielleicht ist es auch nichts Bedeutendes, sondern einfach etwas, das im richtigen Augenblick schön zu lesen ist. Auch darf eine Postkarte unvollkommen sein, eines ihrer schönsten Privilegien.
Eine Einladung
Wenn Sie möchten, dass eines meiner Bilder auf diese Weise auf Reisen geht, sende ich Ihnen gern einige meiner Kunstpostkarten zu. Die Karten schenke ich Ihnen; lediglich das Porto übernehmen Sie.
Und dann bleibt nur noch eine Frage: An wen würden Sie heute eine schreiben?